Rollenverteilung – Wie viel Mädchen muss ein Mädchen sein?

Zufällig habe ich heute im Fernsehen einen Bericht über ein siebenjähriges Mädchen gesehen, dass sich ausschließlich für die klassischen „Jungssachen“ interessiert. Sie hatte kurze Haare, kleidete sich sehr neutral und sah tatsächlich auf den erste Blick aus wie ein Junge. Ihr Kinderzimmer hatte das Thema Fußball, sie fuhr Motorcross und bastelte viel mit Holz. Bei vielen wirkte dieses Mädchen befremdlich, auch ich fand im ersten Moment, dass sie wie ein Junge wirkt.

Aber wer sagt denn, dass ein Mädchen „Mädchensachen“ machen muss? Und wie genau definiere ich eigentlich diese Mädchensachen?

Wir haben ja nun von Beginn an Autos, Puppen und alles andere was das Herz begehrt zu Hause. Beiden Kindern stand immer alles zum Spielen zur Verfügung. Wir haben nie gesagt, dass Johnny mit Autos spielen soll und Pipilotta mit Puppen.

Trotzdem fuhr Sohnemann von Anfang an auf Autos und Trecker ab. Ganz klassisch eben. Bereits mit knapp drei Jahren kannte er quasi alle Automarken. Jeden Tag mit seinen Autos auf dem Spielteppich spielen ist für ihn unglaublich wichtig. Ist mal keine Zeit dazu, fehlt ihm das sehr. Dazu ist er ein richtig großer Cars-Fan.

Und wir haben natürlich auch Puppen zu Hause. Und ein riesiges Puppenhaus hat der Weihnachtsmann vor zwei Jahren gebracht, muss ja schließlich auch was fürs Mädchen da sein. Aber die Pipilotta spielt nicht mit Puppen, das Puppenhaus steht unbenutzt im Spielzimmer. Ab und an sieht man mal Autos drin parken. Auf dem Flohmarkt hat sie sich eine Barbie gekauft, einmal angeschaut, seitdem liegt sie in irgendeiner Kiste. Zum 5.Geburtstag wollte sie gerne ein Fillyschloss mit Fillys haben. Ich hab schon befürchtet, dass das auch wieder in der Ecke landen wird und nur was gebrauchtes gekauft. Die Mädels an ihrem Geburtstag haben sich drauf gestürzt und begeistert damit gespielt. Unsere Motte nicht – es steht unbenutzt in der Ecke. Da haben mich meine hellseherischen Fähigkeiten also nicht im Stich gelassen.

Pipilotta spielt lieber mit ihrem Bruder im Kinderzimmer mit Autos. Oder sie tobt und klettert. Oder sie hilft Papa beim Bauen. Sie ist nicht typisch Mädchen und ich finde es nicht schlimm das ihre Welt nicht aus Puppen besteht. Auch Pipi Langstrumpf, die Namensgeberin unserer Tochter, ist ja alles andere als ein typisches Mädchen.

Kinder sollten sich mit den Dingen beschäftigen, mit denen sie Spaß haben – ohne zu unterscheiden ob das Jungs- oder Mädchenkram ist. Und wenn Johnny dann mit den Fillys seiner Schwester spielt, dann ist das auch okay. Ich denke die klassische Rollenverteilung ist noch in vielen Köpfen drin, aber sie ist überholt. Da passt das Zitat von Pipi Langstrumpf: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ doch bestens.

Gleiches Thema nur andersrum. Pipilotta möchte gerne Nagellack, Johnny auch. Auch in mir blitzte kurz der Gedanke auf: Jungs tragen keinen Nagellack! Hey, aber der kleine Mann ist fünf und wenn er gerne möchte, warum denn dann nicht?! Auch David Beckham trägt Nagellack. Also hab ich Johnny Nagellack auf die Finger gemacht – und zwar in blau-glitzer und grün. Er war total stolz, musste sich aber von den älteren Herren schon ein paar kritische Worte anhören.

Puppen sind doof, aber echte Babys, die liebt unsere Maus. Da ist sie ganz Mädchen und stürzt sich gleich auf die Babys. Den kleinen Sohn von Freunden durfte sie neulich mit Brei füttern, man war sie stolz. Und sie steht auf Einhörner und Glitzer – ganz mädchenlike 😉

Schwierig wird es dann wieder an Weihnachten, wenn die Frage auftaucht, was wir unserer Tochter zu Weihnachten schenken. Schließlich wünscht sie sich ja auch Mädchenkram, weil sie den bei ihren Freundinnen sieht… aber spielen tut sie dann nicht damit und unsere Ecken sind schon voll genug mit unbenutztem Spielzeug. Das wird wirklich noch eine schwierige Entscheidung für den Weihnachtsmann.

 

 

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